Die Steinzeit - Ursprünge der Menschheit
Die Geschichte der Waffen im Sinne von Werkzeugen ist genauso alt wie die Geschichte der Menschen, vielleicht sogar noch älter. Die sich ändernde Lebensweise des Menschen vom überwiegend vegetarischen, auch auf Bäumen schlafenden Vormenschen hin zum omnivoren, überwiegend auf zwei Beinen wandelnden Homo bedingte die in der Evolution Vorteile verschaffende Entwicklung von Werkzeuge und Waffen und das Erlernen des Umgangs mit ihnen.
Das Wachsen des Gehirns im Laufe der Evolution und der für den Gehirnstoffwechsel überproportional hohe Gesamtenergieanteil in der aufgenommenen Nahrung erforderte den Wechsel von vegetarischer Kost mit geringerer Energiedichte hin zu einer Kost mit einer höheren Energiedichte wie z.B. Fleisch - verbraucht doch das Gehirn ca. 50% der im Blut vorhandenen Glucose und somit überproportional viel vom Gesamtstoffwechsel. Dieser Schritt in der Evolution wurde vermutlich auch durch fortschreitende Erfolge bei der sozialen, in Gruppen ausgeführten und koordinierten Jagd erzielt und ökonomisiert durch den Gebrauch von Steinwerkzeugen, die bei der erlegten Beute ein mehr an Nahrung gewinnen ließen, z.B. durch Aufspalten von fetthaltigen Knochen oder hirnhaltigen Schädeln. Oder durch die höhere Chance ein Tier zu erlegen.
In seinem Meisterwerk "2001 - Space Odyssee" zeigte Stanley Kubrick in den ersten Szenen seine Interpretation des Schrittes vom "gewöhnlichen Vormenschen" hin zum Vormenschen der beginnt seine Umwelt zu formen und Werkzeuge / Waffen zu nutzen. Vormenschen entdecken in diesen Szenen die Möglichkeit, Keulen als Waffen zur Jagd, zur Verteidigung gegen Raubtiere und gegen gegnerische Gruppen einzusetzen, hierdurch haben sie Vorteile z.B. bei der Verteidigung einer Wasserstelle und somit Vorteile gegenüber einer anderen Affengruppe, die noch nicht hinter den "Kniff" mit den Keulen kam. Sicherlich ist dies nur eine Szene aus einem Film, sie zeigt aber eine Entwicklungen, die letztendlich zumindest in vergleichbarer Weise vermutlich DEN entscheidenden Faktor im evolutiven Prozess der Menschen mitbedingt hat.
2001 - The Dawn of Men
Affen......
Vor etwa 6 Millionen Jahren gab es den letzten gemeinsamen Ahnen zwischen den Vormenschen und den Schimpansen als den uns genetisch nächsten Verwandten. Etwa in dieser Zeit sind die letzten genetischen Bindungen zwischen unserem nächsten Verwandten, dem Schimpansen zu suchen.

Quelle: Universität Ulm (warten auf Freigabe)
Betrachtet man Affen, vor allem die uns nahe verwandten Menschenaffen wie Schimpansen oder Bonobos (Zwergschimpansen), dann fallen immer wieder Parallelen auf zwischen deren Verhalten und dem Unserem. Wir sind dem Schimpansen zu etwa 99% genetisch identisch. Aus Beobachtungen an Schimpansen können bedingt Schlüsse gezogen werden auf mutmaßliche Fähigkeiten und Lebensweise der Vormenschen, da die Lebensweise auf Bäumen, Anatomie und die Gehirngröße ansatzweise vergleichbar sind. Schimpansen und Bonobos sind auf relativ einfachem intellektuellem Niveau, dennoch sind sie in der Lage wie eine junges menschliches Kind zu lernen, zu handeln und begrenzt unsere Sprache zu erlernen, dies zeigten Studien an einem Bonobo Namens Kanzi, dieser erlernte die Bedienung eines Sprachcomputers für Affen und sein Wortschatz beträgt über 200 Worte. Kanzi wurde ebenfalls durch den Anthropologen Dr. Nickolas Toth vom Stoneage Institute beigebracht, Steine so zu behauen, das sie als Klingen oder Hauwerkzeige taugten. Wie zielgerichtet das Ganze war konnte ich nicht in Erfahrung bringen..... .

mit freundlicher Genehmigung durch das "lithic casting lab."

mit freundlicher Genehmigung durch das "lithic casting lab."
Das Zuhauen von Steinen bei Kanzi war Dressur, auch wenn das Steineklopfen nach der erfolgten Dressur eigenständig erfolgte und der Affe hierbei seine Fertigkeiten verbesserte.
Verhaltensbeobachtungen in der "Freien Natur", an durch Dressur unbeeinflussten Affen sind vermutlich weitaus aussagekräftiger - wenn es um die Entwicklung der Anwendung von Werkzeugen und Waffen als Eigenleistung geht. Hier gibt es schon lange die Beobachtung bei verschiedenen Tieren über die Anwendung von Stöcken oder Steinen zum herauspicken von Insekten aus ihren Bauten (Termiten, Ameisen, Bienen etc.) oder zum Öffnen von Muscheln mittels Steinen durch Seeotter.
In einer Beobachtung von Anthropologen der Universität Amsterdam wurden Schimpansen mit dem plötzlichen Auftauchen einer Leopardenattrappe konfrontiert. Diese setzten sich mit Ästen gegen das "Raubtier" zur Wehr, die sie wie Knüppel / Keulen, Wurfhölzer oder Spieße einsetzten. Dies bei weitem nicht so koordiniert, wie dies durch Menschen erfolgen würde, dennoch nahmen sie sehr schnell derartige Hilfsmittel auf, um sie zur Verteidigung einzusetzen. Wenn nun das Schädelvolumen des Schimpansen (400ml) mit dem des des Homo rudolfensis verglichen wird und für den Homo rudolfensis ein doppelt so großes Schädelvolumen angenommen wird, dann darf unter Umständen davon ausgegangen werden, das dessen Fähigkeit zu integrativen Leistungen und koordinierterer Handlung gegenüber den Schimpansen größer war, das die Vormenschen also ggf. koordinierter als die Schimpansen agieren konnten. (Link: Gehirngröße und Intelligenz)
Schimpansen wehren sich gegen einen "Leoparden"

Quelle: Evolution-Mensch.de (mit freundlicher Genehmigung, sehr zu empfehlende, umfassende Seite zum Thema!!!)
Der ein wenig geschickter wirkende Umgang von Schimpansen mit Steinen als Werkzeug zum Knacken von Nüssen ist hier eindrucksvoll zu sehen:
Es wurde dokumentiert, das Schimpansen besonders als Werkzeuge geeignete Steine immer wieder nutzten und diese auch besonders verwahrten.
Schimpansen sind uns in Vielem ähnlicher als wir es in der Regel wahrhaben wollen, sie nutzen Werkzeuge, gehen gemeinschaftlich zur Jagd, sie führen sogar "Kriege" oder zumindest langjährige Kämpfe gegen andere Gruppen. Und sie sind in der Lage dazu Waffen herzustellen, mit denen sie andere Tiere im jagdlichen Rahmen töten (Artikel).
Durch Professor Jill Pruetz von der anthropologischen Abteilung der Iowa State Uiversity wurde bei Schimpansen in der Fongoli - Savanne (Senegal) beobachtet, wie diese Zweige von Bäumen abrachen, diese mit Zähnen anspitzten und hiermit in Wohnhöhlen von Galagos ("Buschbabys") herumstocherten. Hierdurch solten die Galagos aufgespießt oder zumindest so verletzt werden, das sie fluchtunfähig wurden. Die Baumhöhle wurden dann aufgebrochen und die Beute getötet / verzehr. Diese Jagdform war nur selten erfolgreich und wurde vorwiegend von Weibchen und heranwachsenden Schimpansen ausgeführt. Sie war aber der erste dokumentierte Fall von angefertigten Werkzeugen bei Affen, die als alleinigen Zweck das Verletzen / Töten hatten:
Schimpanse baut Spieß und tötet hiermit Galago
Buschbabys (Galago senegalensis) sind häufig zu flink um von Schimpansen ohne Probleme gefangen zu werden:
Buschbaby...... Was für's Herz....
Ein Buschbaby sollte übrigens im Film 2001 einem Kind zum Geburtstag gekauft werden...
Die Altsteinzein - das Oldowan
Menschen...die Anfänge
Die ältesten durch(Vor-) menschen geschaffenen Artefakte, welche bisher überhaupt gefunden wurde, sind grob zugehauene Steine aus Geröll aus der Region des Kada Gona, ein Nebenfluss des Awash im Nordosten Äthiopiens.

Quelle: Stone Age Institute
Diese Steine wurden anhand der gefundenen Schichten und anhand der Kalium - Argon - Datierung auf ein Alter von bis zu 2,6 Millionen Jahren datiert (Journal of archeological science 27, 1197.1214). Diese Fundstätte liegt im Gebiet der Syrisch - Afrikanischen Rift, DER geographischen Struktur, die mit den evolutionsbiologischen Ursprüngen der Menschheit untrennbar verbunden ist. Bezeichnet werden diese ältesten gefundenen bearbeiteten "Geröllwerkzeuge" als Oldowane, da Paläoanthropologen lange vor der Entdeckung der Funde in Gona im Bereich der Olduviaschlucht viele vergleichbare, wenn auch jünger datierte, aus Geröll gefertigte Steinwerkzeuge fanden.

Oldowan aus Gona. QUELLE
Die ältesten menschlichen Fossilien sind jünger als die gefundenen Geröllwerkzeuge. Das älteste bisher gefundene, einem Vertreter der Gattung Mensch zuzuordnende Fossil sind von Tyson Msiska gefundener Unterkieferknochenfragmente mit der Katalognummer "UR 501" (benannt wohl nach der Jeans Levis 501), der Überrest eines 2,5 Millionen Jahren Homo rudolfensis aus der Gegend um Uraha, einem kleinen Dorf im Norden des heutigen Malawi, unweit des Nordwestufers des Malawisees.
Es aber ist nicht auszuschließen, das weitere, ältere Fossilien von Homo rudolfensis gefunden werden, die eine präzisere Einordnung der Funde ermöglichen. Bei der insgesamt niedrigen
Quelle: paleo.net
Die Herstellung und Verwendung dieser behauenen Steine kann aufgrund der Datierung unter Umständen den Vormenschen oder den frühen Formen der "echten" Menschen zugeschrieben werden, dies bleibt aber vermutlich Spekulation, da frühe Vertreter der Menschen und späte Vertreter der Australopithecina wie der Australopithecus garhi parallell zur selben Zeit lebten und beide als Urheber / Anwender in Frage kommen. Es aber ist nicht auszuschließen, das weitere, ältere Fossilien von Homo rudolfensis gefunden werden, die eine präzisere Einordnung der Funde ermöglichen. Bei der insgesamt niedrigen Fundfrequenz derart alter Fossilien durch Fachkundige, bei den schwierigen Umständen der Suche nach unseren Ahnen / ihren Parallelentwicklungen in zum Teil politisch unstabilen Regionen unter anspruchsvollen klimatischen und logistischen Bedingungen sowie schwieriger Finanzierung der Forschunbgsvorhaben ist dies zwar möglich und zu erwarten, der Zeitpunkt bis zum Aufspüren entsprechender Funde kann aber noch auf sich warten lassen.
Oldowane
Im nördlichen Tansania findet sich unweit des Serengeti - Nationalparks die Olduvia - Schlucht, ein Ort der als Wiege der Menschheit betrachtet wird, auch wenn eigentlich die "Wiege der Menschheit" wohl weit verteilt ist in der großen afrikanischen Grabenrift.... . Hier sollen übrigens die Eingangsszenen aus 2001 spielen.... .
Quelle: Enzyklopedia Britannica
In der Olduvia - Schlucht wurden durch die berühmten Paläoanthrolpologen Louis und Mary Leakey etliche behauene Steine entdeckt, die wegen des Fundorts als "Oldowane" bezeichnet wurden. Im Bereich der Olduvia - Schlucht wurden ebenfalls zahlreiche Fossilien von Vormenschen und Menschen gefunden. Es schien eine regelrechte Oldowan - Industrie gegeben zu haben, bei der etliche der Geröllwerkzeuge gefertigt wurden. Ein großer Anteil der Altsteinzeit wird Oldowan genannt (2,5 - 1,5 mio. Jahre in der Vergangenheit)

Marey und Lous Leakey (Quelle: http://www.achievement.org )
Frühe Formen der Oldowane sind sogenannte Pebble - Tools oder Kieselwerkzeuge. Diese sind durch einige wenige Schläge abgeformte Steine die eine "Schneide" aufwiesen. Gefertigt wurden sie vermutlich durch das Werfen auf größere Steine oder schon durch das gezielte Abschlagen von Kieselanteilen.

Pebble - Tool (Quelle : Wikimedia Commons)
Fortschritte gab es über mehrere hunderttausend Jahre nur in Nuancen. In Dmanisi, im heutigen Georgien, wurden die ältesten Überreste von Menschen auf europäischem Boden gefunden. Die Funde waren Knochen von vermutlich Homo habilis, zusammen mit einigen Oldowanen. Das datierte Alter lag bei ca. 1,81 Millionen Jahren.

"Chopper", also Hauwerkzeuge, aus Dmanisi im heutigen Georgien (Quelle: Wikimedia Commons)
Hier einige Oldowanwerkzeuge aus der Olduvia - Schlucht:

Quelle: lithiccastinglab , mit freundlicher Genehmigung
Bei der Herstellung der Oldowane fielen auch sogenannte "Flakes" (Splitter") an, die mit relativ scharfer Schnittkante durchaus als Klinge zum Schneiden von z.B. Häuten etc, gedient haben mögen:

Quelle: LithicCastingLab, mit freundlicher Genehmigung
Aus den relativ einfachen "choppern" entwickelten sich die "chopping tools", die in der Regel schon fortschrittlicher behauen waren, so hatten sie oft eine von beiden Seiten her behauene Schneide:

Quelle : Wikimedia Commons
Die Frühe Phase der Altsteinzeit (vor 2,5 - 1,5 mio. Jahren) wird wegen dieser gefundenen Steinwerkzeuge auch Oldowan genannt. Im folgenden Acheuléen (vor 1,5 mio - 150.000 Jahren), der jüngeren Hälfte der Altsteinzeit, wurden die Bearbeitungstechniken verfeinert und aus den relativ groben Oldowanen Faustkeile entwickelt.
Oldowan (rechts) und Faustkeil des Acheuléen (links):
Quelle : Wikimedia Commons
Altsteinzeit - Acheuléen
In der Picardie, einer Provinz im Norden Frankreichs liegt der Ort Amiens, einer Stadt mit ca. 136.000 Einwohnern. Hier weilte Caesar mehrfach, hier teilte Martin von Tours seinen Mantel mit einem Bettler, hier liegt Jules Vernes begraben. Und ein winziger Vorort von Amiens ist Saint Acheul, ein Siedlung mit 22 Einwohnern (1999).
Jacques Boucher de Crèvecoeur de Perthes, ein französischer Hobbyarchäologe entdeckte 1846 im Kies der Somme zahlreiche Faustkeile und Steinbeile sowie andere Fossilien, deren Funde er veröffentlichte.

Quelle: Wikimedia Commons
Nachdem die Funde zunächst angezweifelt wurden, im Verlauf aber durch Andere bestätigt wurden,
http://www.uiowa.edu/~bioanth/homo.html
Dieser "Artikel" ist unter Bearbeitung und kann daher noch unzusammenhängend wirken........






